Frappierende Duplizität der Ereignisse am 3. August 2001.
Mein Besuch sitzt am Rechner, ich bin mit schleppi beschäftigt. "Hier riecht es, als ob jemand grillt." Mit diesen Worten, die mein Besuch gerade von sich gibt, hat Schatzi vor fast genau einem Jahr, am 6. August 2000, den Brand bemerkt. Es stinkt bestialisch nach verbranntem Plastik. Erinnerungen werden wach.Ich schaue aus dem Küchenfenster. Meine Vermietern ist im Garten und schreit mich an, ich soll sofort meine Wohnung verlassen. Oben am Fenster steht meine Tochter und weint hysterisch. Funken und Asche fliegen in unseren Garten, dunkle Rauchschwaden hängen in der Luft. Plötzlich knallt es wie von einer Explosion, der Boden zittert. Mein Besuch und ich überlegen, dass es wohl doch besser wäre, wenn wir die Wohnung verlassen, nehmen außer dem Schlüssel vorsichtshalber Papiere, Geld und Handys mit. Man weiß ja nie.
Wir gehen runter auf die Straße, wo uns das gleiche Szenario erwartete wie ein Jahr zuvor: die Straße abgesperrt, Schaulustige, Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr; derselbe Geruch, dieselben Geräusche, dieselben entsetzten Gesichter, die gleiche Stimmung. Nein, nicht ganz die gleiche Stimmung. Diesmal waren unsere Nachbarn entsetzt und wir fast schon routiniert auf eine seltsame Art und Weise, eine Mischung aus "Wie gut, dass es uns diesmal nicht getroffen hat." und "Wir wissen, was ihr gerade durchmacht." Erleichterung und Mitgefühl seltsam vereint.
Ungläubig und doch irgendwie amüsiert zugleich, dass sich dasselbe Schauspiel nach knapp einem Jahr wiederholt, stehe ich da. Schatzi ist ziemlich fertig. Wir rufen dieselbe Freundin an wie letztes Jahr, bei der sie auch heute wieder übernachtet.
Die Erinnerungen des letzten Jahres stürzen auf mich ein. Ich habe alles noch vor Augen als wäre es gestern gewesen, es hat sich im wahrsten Sinne des Wortes eingebrannt.
Das Feuer hat mir nicht die Lust am Leben genommen, aber meine Träume, die sich buchstäblich in Rauch aufgelöst haben, alles was ich mir und um mich herum aufgebaut hatte und all die Folgen, die man heute noch spürt und auch die, die noch kommen. In der Zeit unmittelbar nach dem Brand habe ich mich von allen möglichen Leuten distanziert, mich von meinem Ehemann getrennt und sämtliche Kontakte auf ein Minimum beschränkt: meine Tochter und ihren Vater sowie J. Daran hat sich - von gelegentlichen Treffen mit Internet-Bekanntschaften abgesehen - nicht viel geändert und ich möchte daran auch vorerst nichts ändern.
Ich will mein altes Leben zurück.
Es sind nicht nur meine Möbel, es ist auch etwas in mir verbrannt, glaube ich.
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