Heute
Immer wieder gibt es Auslöser, die mich an meinen Tag X erinnern. Manche davon werden in loser Reihenfolge hier veröffentlicht.Gänsehaut
Es hört wohl wirklich nie auf. Natürlich führen wir ein ganz normales Leben, lediglich kurzzeitig unterbrochen durch die gelegentlichen Trigger. Ich weiß nicht, wie oft meine Tochter und ich, wenn wir auf dem Heimweg die Martinshörner eines Löschzuges hören, unwillkürlich schneller werden. Manchmal sind es "nur" RTW, Krankenwagen und Polizei, die eine kurze Anspannung auslösen, die sich mit dem Erkennen wieder legt. Wir brauchen nicht darüber zu sprechen, wir brauchen nicht einmal Blickkontakt, in solchen Momenten sind Denken und Fühlen gleich.Wirklich schlimm ist es nach wie vor in den seltenen Momenten, in denen ein Löschzug an mir vorbeirauscht. Verharren, wie gelähmt, die Fahrzeuge rei&azlig;en mich mit in einen Gedankensumpf, plötzlich ist alles wieder da. Anstrengend, dort wieder heraus zu kommen.
Juli 2009
Immer wieder
Mehr oder weniger regelmäßig brennt es in meiner Nachbarschaft: In Berlin drei Brände, einer schräg gegenüber meiner Wohnung, die beiden anderen auf dem fast täglichen Weg zum Supermarkt. Seit etwas mehr als einem Jahr wohnen wir jetzt wieder in Krefeld. In dieser Zeit hat es nun schon zum zweiten Mal ganz in der Nähe gebrannt. Nah genug um den Rauch zu sehen und zu riechen, die Flammen aufsteigen zu sehen und den Löschzug der Feuerwehr sehen zu müssen. Das alles setzt die Erinnerungen wieder in Gang. Hört das nie auf?November 2005
Wiederkehrender Alptraum
Schatzi und ihr Vater sind da und wir sitzen im Wohnzimmer, als die ältere Dame, die diese Bezeichnung gar nicht verdient hat, die Treppe herunter kommt, durch mein Wohnzimmer geht und das Haus verlässt. Der Vater schaut mich fragend an, aber ich verstehe es selbst nicht.Ich gehe mit der Frau ins Schlafzimmer, wo das Bett meiner Großeltern steht. Wie selbstverständlich legt sie sich auf Großvaters Seite, nimmt den Aschenbecher vom Kopfteil des Bettes und zündet sich ungeschickt eine Zigarette an. Ich versuche ihr deutlich zu machen, wie unverschämt es ist, ungefragt mein Wohnzimmer zu betreten. Sie wälzt ihren ekligen, fetten, unförmigen, faltigen, in Dessous verpackten Körper in meinem Wasserbett und schmeißt mir die brennende Zigarettenschachtel zu. Ordinär grinst sie mich aus dem viel zu stark geschminkten Gesicht an: "Ich kann hier machen was ich will, Schätzchen! Mir gehört hier alles!" Ihre raue Whiskey-Stimme ist genauso eklig wie ihr Körper.
Wir sind auf dem Balkon, der eigentlich das Garagendach ist, und blicken auf den Flachbau gegenüber. Plötzlich kommt meine Tochter schreiend und weinend herausgerannt. Rauch quillt aus dem Schlafzimmerfenster.
Ich renne los, durch den Garten, in dem ich mich befinde, um zu retten, was eh nicht mehr zu retten ist. Ich renne und renne, komme aber nicht von der Stelle, mein Herz rast, die Luft ist heiß und klebrig, brennt in den Lungen. Die Augen tränen vom Rauch, der überall in der Luft ist. Blind habe ich das Gefühl zu ersticken und die Frau lacht dreckig hinter mir.
Juni 2002
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