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Hallo Murphy, frohes Neues!

 ·  ☕ 11 Minuten zum Lesen  ·  ✍️ dark*

Nach dem letzten Wochenende, dem Stress davor und den Ereignissen danach, bin ich eigentlich schon durch mit 2021. Murphy und sein verschissenes Law sind offensichtlich viel zu gut im neuen Jahr angekommen und haben hier ihr Unwesen getrieben. Aber ich erzähle die lange Geschichte lieber von Anfang an …

Eigentlich weiß ich gar nicht genau, wann es los ging. Vielleicht am 5. Januar, als ich ein Paket an meinen Arbeitgeber nach Krefeld schickte mit dem Paketdienst meines Vertrauens. Während man dort auf die Ankunft des Pakets wartete, dümpelte ich jobmäßig vor mich hin. Eigentlich gab es zwar nicht viel zu tun, aber da meine Kollegen jedes Mal aufs Neue vom Lockdown überrascht und dementsprechend kopf- und planlos sind, ergab sich dann doch immer wieder etwas, womit ich - mittlerweile ein wenig genervt - beschäftigt war und das meine Alltagsroutine störte.

Am 7. Januar unternahm DHL den ersten Zustellversuch am späten Nachmittag und stellte fest, dass niemand anwesend ist. Und weil es ja äußerst sinnig ist, zweimal dasselbe zu tun und beim zweiten Mal ein anderes Ergebnis zu erwarten, machten sie das am Freitag, den 8. Januar noch einmal - mit demselben Ergebnis natürlich. Nach 16 Uhr ist da momentan keiner und in den Ferien schon gar nicht. Später am Freitag änderte sich der Status des Pakets von nicht zustellbar in “Die Zustellung verzögert sich. Sie erfolgt voraussichtlich am nächsten Werktag.”

Am Dienstag, den 12. Januar kontaktierte ich die Hotline von DHL und begehrte zu wissen, wann denn dieser “nächste Werktag” in etwa sein könnte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Mrs. Inkompetenzia höchst persönlich, stammelte etwas hilflos vor sich hin, tippte auf der Tastatur herum und verkündete: “Ihr Paket wurde eingelagert.” Mein Paket wurde WAS? Am anderen Ende tippte und stammelte Mrs. Inkompetenzia sinnloses Zeug. Wann man denn gedenke, das Paket zuzustellen, wollte ich erneut wissen und wurde aufgefordert, die Nachforschung auf der Webseite in die Wege zu leiten.

Mit dem Telephon zwischen Ohr und Schulter geklemmt, tippte ich nun meinerseits auf der Tastatur herum, gab Paketnummer und PLZ auf der Nachforschungsseite ein und erhielt als Antwort: “Sendung gefunden”. Was das nun zu bedeuten hätte, wollte ich wissen. Schweigen. Dann Stammeln: Das Paket wird bestimmt in den nächsten Tagen zugestellt. Ich explodierte förmlich, wurde etwas lauter und fordernder, bekam aber keine sinnvollen Antworten mehr und legte irgendwann einfach auf. Das war sicher ein wenig unhöflich, aber vermutlich immer noch höflicher als alles, was mir noch einfiel zu sagen.

Ich versuchte es in den Sozialen Medien. Irgendjemand musste mir doch weiterhelfen können. Bei Twitter riet man mir, mich an den Absender zu wenden. Ich stellte klar, dass ich der Absender bin, und wurde aufgefordert, mein Anliegen per E-Mail zu schildern, was ich tat. Als Antwort bekam ich den Rat, es über die Nachforschungsseite zu versuchen. Ich tat erneut wie mir geheißen mit demselben Ergebnis: “Sendung gefunden”. Ich teilte das Ergebnis erneut mit zusammen mit dem Hinweis, dass der Sendungsstatus nun schon seit fünf Tagen unverändert sei und bekam auch Antwort. Die allerdings haute mich dann fast vom Stuhl:

Aufgrund dessen ist eine Nachforschung zur Klärung sinnvoll.

Ich zensiere mich an dieser Stelle mal selbst. Mittlerweile war es Donnerstagabend und nach ein wenig Herumklicken und FAQ-Lesen auf der Webseite von DHL fand ich den Hinweis, dass die Nachforschung möglich ist, wenn der Paketstatus seit mindestens sechs Tagen unverändert sei. Aha! Das konnte mir weder Mrs. Inkompetenzia am Telephon noch der Support per E-Mails sagen. Das steht auch nicht auf der Seite zur Nachforschung von DHL und die FAQ ist dort auch nicht verlinkt. Diese Information hätte uns allen eine Menge Arbeit und Nerven gespart! Ich beschloss also am Freitag nochmal die Nachforschung zu versuchen.

Das war die lange Vorgeschichte. Ab Freitag herrschte nur noch Chaos.

Freitagvormittag stand im Sendungsstatus meines Pakets, es würde zurück an den Absender geschickt. Ich fluchte und schimpfte, wünschte allen die Pest an den Hals und wollte die DHL-Konzernzentrale in die Luft sprengen, aber all das änderte nichts daran, dass sich das Paket auf dem Rückweg nach Rostock befand.

Freitagmittag wollte ich das Mittagessen zubereiten. Viel war nicht zu tun, vom Vortag war noch etwas übrig, das wir aufwärmen wollten. Nach fünf Minuten war der Topf immer noch eiskalt. Kurze Kontrolle ergab: Die beiden Herdplatten auf der linken Seite gingen nicht an. Die beiden rechten funktionierten noch, dann kochten wir eben da. Nach dem Mittagessen kurze Kontrolle: Die fünfjährige Garantie war seit einem halben Jahr abgelaufen.

Ein neues Kochfeld musste her. Wir überlegte kurz, ob wir uns einen Induktionsherd kaufen sollten. Nachdem wir unser Topf-Sammelsurium auf Tauglichkeit geprüft hatten, wovon ein Drittel, darunter die wichtige Crêpe-Pfanne, untauglich ist und uns zudem einfiel, dass wir dann die dritte Phase des Herdanschlusskabels benötigten, an der aber der Backofen angeschlossen war, verwarfen wir die Idee wieder und bestellten wir kurzerhand beim Mediamarkt ein neues Ceranfeld, das wir Samstagmorgen abholten.

Außerdem schrieben wir Freitagnachmittag noch einen Händler an, bei dem wir eine Powerstation fürs Camping gekauft hatten. Das Teil funktionierte leider nicht richtig, brauchte fast 15 Stunden zum aufladen, gab den Strom nicht gleichmäßig zurück, sodass wir es zurückgeben wollten.

Am Samstagmorgen erreichte mich eine E-Mail, in der sich ein anderer Händler, bei dem ich etwas bestellt hatte, dafür bedankte, dass ich mein Paket aus der Packstation abgeholt hätte. Bitte was? Ich hatte nichts abgeholt. Ich sah in der Sendungsverfolgung nach und stellte fest, dass auch dieses Paket zurückgeschickt wurde. Sind die denn jetzt von allen guten Geistern verlassen bei DHL? Ich rief beim Händler an, bekam eine Gutschrift und anschließend bestellten wir den Inhalt erneut, diesmal mit Zustellung zuhause und nicht an die Packstation.

Wir fuhren zu Mediamarkt und holten unser neues Ceranfeld ab. Wir hatten Glück, dass ich erst noch telephoniert hatte, sonst hätten wir eine Stunde vor der Tür gestanden. Auf Webseite und Abholbescheinigung war die Öffnungszeit ab 9 Uhr angegeben, tatsächlichen öffnen die aber erst um 10 Uhr. Ich wies die Verkäuferin darauf hin. Da erklärte die mir doch glatt, dass das nicht so einfach ginge und man ja schließlich vom Lockdown überrascht worden sei. “Nach 10 Monaten Pandemie ist das sicherlich total überraschend”, konstatierte ich. Da war die maskenlose Verkäuferin recht pikiert. Wenn man unsicher sei, wann geöffnet wäre, könne man ja im Markt anrufen. Meinen Einwand, dass ich keineswegs unsicher gewesen sei, weil die Öffnungszeiten ja in der E-Mail stünden, ließ sie nicht gelten. Ich ließ es gut sein und den Herrn Lebensabschnittsgefährten bezahlen. Wir holten unsere Ware ab und fuhren wieder nach Hause.

Wir nahmen nicht den direkten Weg, sondern fuhren noch ein wenig in der Gegend herum. Unser Auto benutzen wir zurzeit so gut wie gar nicht, daher fahren wir immer ein gutes Stück, wenn wir den Wagen alle zwei bis drei Wochen bewegen, damit er richtig warm wird und die Batterie wieder voll aufgeladen ist. Als wir zuhause ankamen, war es Zeit für Mittagessen. Der Backofen funktionierte ja noch, also gab es Flammkuchen.

Ein Ceranfeld anzuschließen ist in der Theorie kein Hexenwerk, die Kabel waren schnell verbunden, erster Funktionstest und … eine Platte funktionierte nicht. Konnte das sein, dass wir das eine defekte Gerät gegen das andere ausgetauscht hatten? Mittlerweile war ich ziemlich frustriert und hatte eigentlich die Schnauze gründlich voll von allem. Wir vermuteten einen Defekt in der Zuleitung oder sogar im Sicherungskasten und beschlossen, dass wir wohl einen Elektriker benötigten. Der vertröstete uns allerdings auf Montag, da wollte er zurückrufen, um einen Termin zu vereinbaren.

Am Sonntag trug es sich zu, dass wir mit einem befreundeten Elektriker über unser Problem sprachen. Der fragte, ob wir denn schonmal gemessen hätten, wie viel Strom überhaupt am Herd ankäme. Das holten wir nun nach, wir besitzen glücklicherweise ein Multimeter, und stellten fest, dass auf einer der beiden Phasen viel zu wenig Strom ankam. Das bedeutete, dass wir an die Herdanschlussdose mussten, und die befindet sich hinter der Spülmaschine. Daher bauten wir am Sonntag unsere geliebte Spülmaschine ab, um Ursachenforschung in Sachen Ceranfeld zu betreiben. Und siehe da, wir waren nur knapp einer Katastrophe entronnen.

Verschmorte Herdanschlussdose

Uff! Und die Kabel sahen auch nicht besser aus.

Verschmorte Herdanschlussdose

Ich war einigermaßen geschockt und unschöne Erinnerungen kamen hoch. Na ja und dann kam mir in den Sinn, dass wir soeben einen Haufen Geld unnützerweise für ein neues Ceranfeld ausgegeben hatten. Das alte hatten wir sinnigerweise zum Händler mitgenommen und zur Entsorgung dort gelassen. Wir Trottel. Aber es half alles nichts, mit einem Phasenprüfer alleine kam man hier nicht weiter und konnte das Problem nicht beheben.

Die Küche blieb am Sonntag weitgehend kalt. Auf dem kleinen Kontaktgrill wurden ein paar Würste “gebraten”, dazu gab es Fertigpürree, das mit Hilfe des Wasserkochers zubereitet wurde, und Gemüse aus der Dose in der Mikrowelle aufgewärmt. Der Händler unserer Powerstation hatte sich zwischenzeitlich gemeldet und uns für doof erklärt. Man wisse ja nicht, ob wir die Powerstation überhaupt vollständig aufgeladen hätten und 15 Stunden seien ja völlig normal. (In der Artikelbeschreibung im Shop ist eine Ladezeit von etwa 5 - 6 Stunden angegeben.) Ich war ziemlich wütend und antwortete, dass das Produkt nicht der Beschreibung entspricht und wir von unserem 14-tägigen Rückgaberecht Gebrauch machen wollen.

Am Montagmorgen rief ich beim nahegelegenen Baumarkt an und bestellte telephonisch alles, was man benötigt, um unseren Herdanschluss zu reparieren. Der Service dort ist toll. Der Mitarbeiter suchte noch mit mir am Telephon alles zusammen und scannte die Artikel ein. Ich bekam eine Abholnummer und wenig später waren wir stolze Besitzer von diversem Elektrozubehör.

Elektrozubehör

Anschließend kürzten wir die alten Kabel soweit nötig und schlossen alles unter fachmännischer Anleitung mit Photo- und Videokontrolle wieder sauber an. Zu guter Letzt wurde noch gründlich durchgemessen und vorsichtig getestet. Endlich funktionierte wieder alles!

Nun mussten wir noch den Backofen ausbauen, um das Ceranfeld ordentlich zu befestigen. Anschließend musste das Brett, auf dem der Ofen steht, etwas tiefergelegt werden, da das neue Ceranfeld etwas dicker ist als das alte und sonst nicht genügend Platz nach unten hat. Dann wurde die Spülmaschine wieder in ihre Lücke eingebaut. Fußleisten angebracht, Küche geputzt und endlich war wieder alles wie immer.

Na ja … fast …

Es wurde Dienstagmorgen. Wir erinnern uns: von Freitagvormittag bis Montagabend war die Küche im Ausnahmezustand. Mittlerweile hatte sich einiges an schmutzigem Geschirr angesammelt, ich schaltete die Spülmaschine ein und setzte mich an meinen Schreibtisch zum Arbeiten. Plötzlich drang wildes Piepen aus der Küche. Die Spülmaschine beschwerte sich, dass sie kein Wasser habe. Ich drehte den Zulauf auf und wieder zu und wieder auf und wieder zu, aber nichts. Die Spülmaschine bekam kein Wasser.

Auch die gängigen Tipps, wie beispielsweise gefühlvoll mit dem Hammer auf das Ventil klopfen, damit es sich löst, halfen nichts. Der Knauf ließ sich ja drehen, aber man konnte spüren, dass sich im Inneren nichts tat, der ließ sich viel zu leicht drehen, der war hinüber. Da half auch kein Fluchen, das Eckventil war kaputt und ich war auf 180 und legte den Hammer nun besser wieder auf Seite.

Wir räumten den Spülenunterschrank aus und ich mache die Leitungen von Spülmaschine und Armatur ab, um das Eckventil aus der Wand zu schrauben. Allerdings schreibt sich das hier bedeutend einfacher, als es sich ausführen ließ. Ich weiß nicht, welcher Berserker das Eckventil so derbe in die Wand geprügelt hat, wir hatten jedenfalls unsere liebe Not mit dem Teil. Fluchend und schimpfend hing ich eine gefühlte Ewigkeit kopfüber im Spülenunterschrank, bis sich das Mistvieh endlich löste. Dann rief ich erneut bei Baumarkt an und bestellte ein Eckventil. Dichtmaterial hatten wir noch.

Glücklicherweise kann der Lebensabschnittsgefährte die Arbeit im Homeoffice für Einkaufsfahrten unterbrechen, um dies zu erledigen, wenn nicht ganz so viel los ist, der Chef ist da sehr kulant. Wir fuhren also direkt das Eckventil abholen, um zuhause festzustellen, dass es die falsche Größe hatte. Mit diesen blöden Zollangaben der Gas-Wasser-Scheiße-Fraktion bin ich noch nie klargekommen. Also musste ich erneut anrufen und noch einmal hinfahren, um das umzutauschen. Unter normalen Umständen, also bei geöffneten Läden, wäre ich ja mit dem alten Teil in den Baumarkt gefahren und hätte dem Verkäufer das unter die Nase gehalten, damit er mir genau so eins in neu raussucht. Aber in einer Pandemie ist halt alles ein wenig anders.

Eckventil

Erneut zuhause angekommen, konnte ich das Teil endlich einbauen. Im zweiten Anlauf war alles - mit Ausnahme der Verfasserin dieser Zeilen - ganz dicht und ich konnte unsere Küche wieder in den normalen Betriebszustand zurückversetzen. Endlich!

Paket zurück

An diesem Dienstag, den 18. Januar, kam übrigens auch mein Paket zurück. Es trug allerlei Aufkleber. Der Rücksendegrund war übrigens “Höhere Gewalt”.

Paket zurück

Um auf Nummer Sicher zu gehen, bat ich meinen Chef um seine private Adresse und schickte das Paket am Mittwoch erneut nach Krefeld. Nun warte ich nur noch auf die Rückerstattung der ersten Sendung von DHL. Und der Verkäufer der Powerstation hat mittlerweile auch klein beigegeben und der Rücksendung zugestimmt. Meine erwartete Bestellung, die ich erneut tätigen musste, ist mittlerweile auch eingetroffen und bringt wieder ein wenig Farbe in mein Leben. ;)

Bunte Socken

Murphy ist hier erstmal fertig und kann abgeholt werden. Wer will?

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dark*
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dark*
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